Meine Richtungsweiser – Die Orte I
Von Menschenhand weitestgehend unberührte Berge und Landschaften inspirieren den Geist und können den Horizont weiten. Doch auch die gebaute Umwelt, die dem Leben und der Erinnerung gewidmet ist, kann neue Impulse geben, dabei helfen loszulassen oder schlichtweg die Fülle und Magie zu genießen. Im Folgenden ersten Teil werden Orte vorgestellt, die einen veränderten Blick auf das Bestehende offenbaren, die die Fantasie oder den Müßiggang anregen oder die schlichtweg den Frieden offenbaren.
Die Züge
Der Southwest Chief Train
3.588 Kilometer fährt der transkontinentale Fernschnellzug zwischen Chicago und Los Angeles. Ich durfte im Jahr 2023 in den Genuss kommen, von der Union Station in Los Angeles bis nach Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico und wieder zurück fahren. Es war ein sehr schönes Abenteuer. Zeitweise kam ich mir wie in einem Westernfilm vor da ich im Observation Car saß und gebannt in die unendlichen Weiten der Prärie der Mojave-Wüste blickte. Ich erinnere mich an den Sonnenuntergang über den Canyons, an die einsamen Lichter der dünn besiedelten Landschaft in der Nacht und an die Gallup-Lady. Ja, wenn man einen Traum hat, dann muss man ihm folgen, egal wo man sich befindet, egal was man besitzt, egal wie vermeintlich arm oder enttäuscht man ist.

Into the Future 

Panoramaabteil oder „Observation Car“ mit Bordbistro 
M.-Wasserflasche, zwei Rucksäcke und Pinienzapfen vom Gipfel des Mount San Antonio 
PLEASE WAIT BEHIND YELLOW LINE! 
Purer Minimalismus mit Amtrak Superliner „Sycamore Grove“ #34967 
Eingangshalle der Union Station mit Richard Wyatt Jr. Mural namens “City of Dreams/River of History” 
Eingangshalle der Los Angeles Union Station ohne das Mural „L.A. History: A Mexican Perspective“ von Barbara Carrasco 
Fliesenmural „Traveler“ von Terry Schoonhoven an der Union Station
Peru Rail
Wie ich in Peru reiste konnte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen Machu Picchu zu bereisen. Ich buchte mir recht kurzfristig (unter anderem aufgrund des Datums) ein Ticket für den 11. November. Ursprünglich wollte ich einen Teil der Strecke von Cusco bis Aguascalientes mit Bussen und einen anderen Teil per Pedes mit dem Rucksack zurücklegen. Die Herausforderung bestand nun jedoch darin, dass sich die örtlichen Fahrer aufgrund einer Erhöhung der Dieselpreise und / oder -steuern zu Streiks entschieden hatten. Um nun also doch irgendwie Machu Picchu zu erreichen ergatterte ich in der Nacht vom 09. auf den 10. November ein noch verhältnismäßig günstiges Ticket für den Peru Rail. Die Fahrt würde am Morgen des 10. November stattfinden. Gegen 06:00 Uhr morgens (nachdem ich einen frischen Kokatee im Hostel getrunken hatte) wurde ich von einem Taxifahrer im Zentrum Cuscos abgeholt. Es war ein älterer Herr, der es trotz meiner Eile mit dem Fahren sehr entspannt zu nehmen schien. Dann (ich hatte es fast nicht mehr für möglich gehalten) befand ich mich am Bahnhof von Poroy auf 3.494 Metern Höhe. Glücklicherweise stand der Zug noch am Gleis. Eine Reihe schick gekleideter Schaffner befanden sich am Bahnhof und halfen den Passagieren einzuchecken und einzusteigen. Meine kurzfristige Buchung jedoch stellte sie vor eine Herausforderung. Auf meinem Smartphone musste ich vor dem Betreten des Zuges noch fehlende Daten ergänzen. Selbstverständlich hatte ich in Südamerika kein mobiles Internet. Einer der Schaffner stellte mir daher mit seinem Handy einen Hotspot zur Verfügung und informierte via Funkgerät seine Kollegen darüber, dass der Zug sich noch etwas gedulden müsse. Ein paar bange Momente und Schweißtropfen später durfte ich dann als letzter Passagier diesen Zug betreten, der mich durch das heilige Tal am Ufer der Rio Urubambas bringen würde. Es ist eine Fahrt, die ich niemals vergessen werde, die mir Blicke auf die unzähligen archäologischen Stätten an den Berghängen offenbarte.
Die Berge
Die Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen
Zwei Tage waren es, die mein Vater und ich im August 2011 gemeinsam verbrachten. Wir hatten uns vorgenommen, den höchsten Berg Deutschlands zu besteigen. An meinen Füßen klebten neue Meindl-Wanderschuhe, die mir wie Betonklötze vorkamen. Gott sei Dank teilten wir uns die Route in zwei Tage auf. Über die Hammersbachklamm gelangten wir zur Hölltentalangerhütte. Dann gegen 07:00 Uhr hieß es den Rucksack zu schultern und Richtung Gipfelkreuz zu streben. Die ersten Meter wurden rasch zurückgelegt, irgendwann erstreckte sich der schmutzige Gletscher vor uns. Die Steigeisen wurden befestigt und der Höllentalferner überwunden. Am Übergang zur Felswand gab es eine kurze Schlange. Auf dem Weg nach oben wurde meine Schwindelfreiheit immer wieder auf die Probe gestellt wenngleich das Abenteuer letztlich sehr schön und intensiv war.
Der Vinicunca-Regenbogenberg in Peru mit über 5.000 Metern
Gefühlt mitten in der Nacht wurde ich von einem kleinen Reisebus aus dem Hostel in Cusco abgeholt. Bereits gegen 05:00 Uhr morgens fand sich unsere Gruppe bestehend aus rund 20 Personen in einer kalten Halle irgendwo im Nirwana wieder. Gemeinsam frühstückten wir: es gab Tee, Weißbrot, Butter und Marmeladen. Der Guide erklärte uns auf Spanisch das Programm des Tages und was es zu beachten gebe. Er wies uns auf die empfehlenswerten Utensilien und die Kälte und Höhe des Gipfels hin. Ich kaufte mir ein paar Schokoladenriegel und eine Flüssigkeit, die man sich auf die Innenseiten der Handflächen sprühen, dann schnell verreiben und tief über die Nase inhalieren soll. Es reinigt die gesamten Atemwege. Gegen 09:00 Uhr befanden wir uns am Ausgangspunkt auf ungefähr 4.600 Metern Höhe. Verblieben noch 400, die zur Fuß zurückgelegt werden wollten. Ausgestattet mit einem kleinen Rucksack und einem Wanderstock aus Holz setzte sich unser Trupp langsam in Bewegung. Auf dem Parkplatz reihten sich die weißen Minibusse aneinander und ich war froh, wie die Natur und die unendlichen Weiten der Berge überhand nahmen. In traditioneller Kleidung warteten Indigene mit Pferden am Wegesrand auf müde Touristen oder auf solche, die nicht mit eigener Körperkraft den Gipfel erreichen wollten oder konnten. In der Nacht zuvor schlief ich nur sehr wenig und mein Magen war angeschlagen. Zudem war ich noch nicht zu 100 Prozent wieder regeniert, da die Begegnung mit der Nutria auf der Radreise kurz vor Straßburg ein paar Wochen zuvor immer noch in meinem rechten Knie steckte. Einmal musste ich anhalten. Es fühlte sich so an, als würde ich explodieren. Irgendetwas geschah mit mir. Ich dachte mir entweder kippe ich jetzt um oder ich bleibe stehen und gehe weiter. Ich ging weiter, kaufte mir bei einer älteren Frau einen heißen Tee und eine kleine Schale mit dampfenden Kartoffeln und Eiern. Frisch gestärkt stand ich dann irgendwann an diesem magischen Ort 5.036 Meter über den Ozeanen dieser Welt.
Der Imbabura-Vulkan bei Ibarra
In der Unterkunft in La Esperanza bei Ibarra wurde ich am Vorabend vom Besitzer noch instruiert, was ich bei einem Aufstieg zu beachten habe. Gleichzeitig schauten wir Filme wie „127 Hours“ oder „Solo“ an, mir wurden Geschichten von Gringos erzählt, die nach ihrem Aufstieg nie wieder zurückkamen. Von einem Einheimischen wurde ich im Geländewagen morgens abgeholt und bis auf 3.350 Meter Höhe gefahren. Im Gepäck hatte ich neben meiner Mütze und Handschuhen einen dicken Pullover, eine Regenjacke, ein Erste-Hilfe Set, gute zwei Liter Wasser, Avocados, Vollkornbrötchen, Erdnüsse und einige Bananen. Nun ging es gute vier Kilometer bis auf den Primera Cumbre, den ersten Gipfel, auf 4.570 Meter. Bis auf 4.400 Meter kam ich gut vorwärts, machte eine längere Pause um mich zu stärken und wurde dann auf einer Plattform von starken Winden und Kälte willkommen geheißen. Bis dahin begegnete mir eine indigene Familie, die mit drei Generationen inklusive eines rund drei Jahre alten Kindes in Gummistiefeln ohne Trinken oder Ausrüstung unterwegs waren und kurz vor dem Gipfel umkehrten. Auf allen Vieren bewegte ich mich dann auf der Horizontalen weiter um nicht von einer Windböe mitgerissen zu werden. Eine Steinwand verbarg sich vor mir im dichten Nebel. So kurz vor dem Ziel wollte ich nicht mehr umdrehen wenngleich es rational sinnvoller gewesen wäre. Bis auf eine kurze Stelle beim Abstieg lief alles gut – dort hatte ich die Markierungen aus den Augen verloren und befand mich plötzlich an einem Abhang. Mit starkem Herzklopfen und einem Schutzengel, der ganze Arbeit geleistet hatte, befand ich mich allerdings wieder auf dem „sicheren Weg“ und strebte recht schnell zurück bis nach La Esperanza. Mit 12 Kilometern und 1.150 Höhenmetern in den Beinen war ich froh, dort um die Mittagszeit ein kleines Restaurant mit einheimischer Küche (Saft, Suppe, Reis, Bohnen und Avocado) zu finden.
Der Waynapicchu bei Aguascalientes im Tal des Rio Urubamba
In der Dunkelheit machte ich mich gegen 04:00 Uhr auf die Socken um die Distanz von 3,3 Kilometern und rund 400 Höhenmetern bis zum Eingangsbereich der archäologischen Stätte Machu Picchu vor Einlass um 06:00 Uhr zu erreichen. Schnell merkte ich, dass ich mindestens zwei Schichten zu viel Kleidung trug und der Rucksack zu schwer war. Es war mir jedoch gleich, da es einem besonderen Unterfangen glich an diesem 11.11.2021 diesen einzigartigen spirituellen Ort zu besuchen. Ich hatte den „Circuito 4 + Waynpaicchu“ bereits in Cusco gebucht. Glücklicherweise war das UNESCO-Welterbe in diesem Zeitraum nur bedingt touristisch besucht. Nach ein paar Minuten Verschnaufpause konnte ich als dritter Besucher des Tages dieses mystische Kleinod pünktlich betreten. Nebelschwaden lagen magisch über den Steinterrassen und Gebäuden, Lamas saßen entspannt auf den Wiesen und vor mir eröffnete sich eine große unbekannte Fläche. Da sich um diese Uhrzeit die Ordner und Bediensteten erst nach und nach an ihre Posten begaben war es mir möglich abseits der offizielleren Route die Beine zu vertreten. Mit etwas Verspätung befand ich mich dann vor dem Aufstieg auf den Waynapicchu (auch Huayna Picchu genannt), durfte mich in einem Buch verewigen und los ging die Reise. Nach ungefähr 45 Minuten war ich dann auf dem Gipfel auf 2.693 Metern Höhe gemeinsam mit vier anderen Personen. Ein anwesender Tourguide meinte zu uns, dass an einem normalen Tag rund 20 Mal mehr Menschen an diesem Fleck angetroffen werden können. Lange saß ich auf der kleinen ebenen Fläche, blickte verträumt auf das unter mir liegende Machu Picchu und den verschlungenen Flusslauf des Rio Urubambas. In den weiten Fernen um mich erstreckte sich das endlose Grün des Regenwaldes.
Rückblickend betrachtet ist es ein sehr schönes Gefühl zu wissen auf dem Berg gewesen zu sein, der auf den peruanischen 10-Soles-Scheinen so wie auf beinahe jeder Machu Picchu Fotografie zu sehen ist.
Der Cerro de Monserrate in Bogotá
Er gehört zu meinen Lieblingsbergen dieser Welt weil er recht einfach zu erreichen ist und gleichzeitig bei jeder Besteigung ein kleines Spektakel darstellt. Inzwischen habe ich angetrieben von dem einmaligen Ausblick auf Bogotá und der Möglichkeit dem Himmel ein Stück näher zu sein den 3.125 Meter hohen Cerro de Monserrate (nicht zu verwechseln mit dem Cerro Montserrat in Katalunien) bereits fünf Mal erklommen. 1.605 Stufen sind es auf einer Distanz von 2,35 Kilometern vom Stadtrand bis zur Wallfahrtsbasilika des Herrn von Monserrate zu gelangen. Tausende Menschen besuchen Tag für Tag den Hausberg Bogotás. Gut in Erinnerung ist mir noch ein um die 60 Jahre alter Mann, der im oberen Drittel mit einem Lautsprecher steht und die Passierenden mit Zurufen und Botschaften motiviert. Der Mann ist blind und stand drei oder vier Mal an der gleichen Stelle.

Der galizische Granitstein in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá auf dem Cerro de Monserrate am 09.08.2023 
Die ersten Meter auf dem Weg zum Gipfel 

Der Monserrat am 09.10.2021 
Der zweite Aufstieg am 27.10.2021 
Der vierte Aufstieg am 10.08.2023 
Der fünfte Aufstieg am 11.08.2023 
Ein Vogelobservatorium 
Der in der Nähe gelegene Cerro de Guadalupe
Der Mount San Antonio „Mt. Baldy“ im Los Angeles County
Von Los Angeles aus ging es mit einem Mietwagen zunächst über den Ventura Freeway bis zum Campingplatz Mount Baldy Manker Flat. Dort gegen 10:00 Uhr vormittags angekommen brannte die Sonne bereits stark auf die Erde, Temperaturen von über 35 Grad waren vorhergesagt. Ungeachtet dessen wollte ich den Aufstieg zum höchsten Punkt des Los Angeles County in Angriff nehmen. Ungefähr auf der Hälfte zweifelte ich ob der gleißenden Hitze und meines begrenzten Trinkvorrates am Erfolg meines Unternehmens. Im Schatten sammelte ich unter Pinienbäume meine Kräfte und legte dann (insbesondere auch weil ich Schneefelder sah) die verbleibende Distanz bis auf 3.068 Meter über dem Pazifik recht schnell zurück. Der Schnee half mir zusätzliches Trinkwasser zu erhalten. Glücklicherweise erfuhr ich erst am Gipfel von einem Ranger und einem Philosophiestudenten, dass es ratsam sei auf Klapperschlangen achtzugeben.

Ein Baum gleich aus einer anderen Welt 
Mein Toyota Camry an diesem Tag (ich glaube, sie nennen es ein Automobil) vor dem Campingplatz Mount Baldy Manker Flat 
Unwirtliches Land auf dem Devils Backbone Trail 
Pilgermuschel, Cusco-Umhängetasche und M.-Trinkflasche auf dem Gipfel des Mount San Antonio 3.068 Meter oder 10.064 Fuß über dem Meeresspiegel 
Der höchste Punkt des Los Angeles County 
Bergpanorama in Richtung Osten mit dem Gipfel des San Gorgonio im Hintergrund 
Surreale Mondlandschaft 
Lebende Allium Monticola-Pflanze inmitten der Steinwüste 
Endlich habe ich ihn gefunden, meinen „Place Beyond the Pines“ 
Rund 30 Zentimeter langer Pinienzapfen 
San Antonio Wasserfall mit Chaparral-Yucca-Pflanzen (Hesperoyucca whipplei)
Der Rucu Pichincha in Quito
Mit der TelefériQo-Seilbahn kann der erste Höhenunterschied von der Talstation auf 3.050 bis auf 3.950 Meter des Hausbergs zurückgelegt werden. Bereits von diesem Ausgangspunkt kann an klaren Tagen das Panorama um die ecuadorianische Hauptstadt inklusive der schneebedeckten Gipfel bewundert werden. Dennoch verbleiben einige Höhenmeter bis zum Gipfel auf 4.696 Metern. Der Anstieg kann in zwei Stunden gut bewältigt werden und ist bis auf drei Stellen weitestgehend sicher. Bei diesen jedoch spürte ich in meinem Magen einiges an Angst und ich musste mich recht fest mit meinen beiden Armen und Beinen auf den Felsen legen um mich sicher zu fühlen und weiter zu hangeln. Oben angelangt belohnt der Blick auf die geographischen Riesen des Landes wie den Cayambe, den Cotopaxi oder den Chimborazo die Strapazen.

Der Blick vom Gipfel des Rucu Pichincha auf die Millionenstadt Quito 


Ein farbenfrohes Mural an der Talstation der Seilbahn 
Der Ausgangspunkt für die Aktiven, die auf die Unterstützung des technischen Fortschritts zurückgreifen 
Einzigartiges Panorma mit den Fünftausendern und dem Sechstausender wie dem Cayambe (5.790), dem Antisana (5.658), dem Cotopaxi (5.897), dem Illiniza Sur (5.263) oder dem Chimborazo (6.310) in weiter Entfernung
Weitere
- Der Lobo Peak bei Taos (in Teilen).
- Die Quinini-Berge bei Fusagasugá.
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