Die Bücher, die ich 2025 gelesen habe
Um einen Überblick zu erhalten wie viel ich lese, welche Qualität das Gelesene aufweist und damit meine Enkel eines Tages wissen werden, warum ich zu dem Menschen geworden bin, der ich bin, habe ich meine „Die Bücher, die ich … gelesen habe“ fortgesetzt. Tatsächlich bin ich in diesem Jahr auf 26 gelesene Bücher und unzählige weitere begonnene gekommen. Rund 70 Prozent haben dabei für mich eine gute bis sehr gute Qualität gehabt, mit einem Teil konnte ich nicht sofort etwas anfangen oder ich habe bereits nach den ersten drei oder vier Sätzen gemerkt, dass der oder die Schreibende lieber wieder damit aufhören sollte.
Gliederung
- Die durchgelesenen Bücher
- Reingelesen
- In Warteposition – Noch nicht gelesen
- Auf der Liste
- Weitere Buchtitel für eigene Werke
- Nächste Buchbestellungen
Die durchgelesenen Bücher
„oder du wirst Trauer tragen“ von Larry Collins und Dominique Lapierre (5/5)
Der Wärter erinnert sich, vor acht Jahren einen jungen Landstreicher in zerlumpten Kleidern bewacht zu haben. In das umfangreiche Aufnahmeregister hat er damals unter Nummer 893 den Namen des Mannes eingetragen, dessen lächelndes Gesicht nun den Kalender an der abbröckelnden Wand ziert: Manuel Benítez.
„oder du wirst Trauer tragen“, S. 39
Es ist die Geschichte über einen bettelarmen Jungen in Andalusien, der am Anfang des 20. Jahrhunderts inmitten des Elends und der Hoffnungslosigkeit geboren wird. Nicht dazu bestimmt ein normaler Teil der Gesellschaft zu werden stiehlt er schon bald Orangen und entdeckt die mächtigen schwarzen Stiere auf den endlosen Weiden der Großgrundbesitzer. Jenseits von Schule oder Arbeit verbringt er die Nächte als Jugendlicher Seite an Seite mit einem Leidensgenossen unter den Sternen Südspaniens. Doch ungeachtet all der Umstände, in denen er sich wiederfindet, weiß er, dass er ein Torero werden wird. Und nicht irgendein Torero wie sie zuhauf auf den Straßen und Plätzen der Dörfer und Städte herumlungern und bereit sind, für eine warme Mahlzeit ihr Leben in einer Arena aufs Spiel zu setzen. Nein, er weiß, dass er der größte Torero des Landes werden wird, den die Menschheit jemals gesehen hat. Mit diesem Traum in seiner Seele verbringt er die Zeit im Gefängnis, ausgemergelt Gras und Eicheln essend in der Dunkelheit oder Orangen klauend, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Dann führt ihn ein Wink des Schicksals von Palma aus bis nach Madrid.
Nur wenige Jahre später ist aus einem vermeintlich unfähigen Menschen, der früh seine Eltern verloren hat und weder lesen noch schreiben kann, der bekannteste Mann (neben Franco) Spaniens und einer der reichsten. Im Kampf in den Arenen dieser Welt spielt er ein Spiel mit dem Tod. Doch dank seines Mutes gibt er niemals auf und wird so zu einem der wichtigsten Richtungsweiser einer Nation, die von den Folgen der Diktatur und zahlreicher Bürgerkriege geschunden ist und im Gestern feststeckt. El Cordobés gelingt es, Vorreiter des Wandels mittels seiner unvergleichlichen und unangepassten Art zu werden.
Auf meiner Reise nach Madrid konnte ich die Bedeutung und Magie dieser Transformation stärker nachvollziehen. Damals lief ich mit „Tod am Nachmittag“ von Ernest Hemingway in der Jackentasche durch die Gassen und Straßen und ließ mich verzaubern von der Besonderheit dieser Stadt.
Zusatzinformationen: Version aus dem Molden-Taschenbuch-Verlag (Wien-München), Januar 1976, 364 Seiten
„Der Gesang der Azoren“ von Carlos Ávila de Borba (5/5)
Die Ilha do Pico inmitten der Azoren irgendwo im Nirgendwo des unendlichen Atlantikblaus zwischen Amerika und Europa. Wir schreiben das Jahr 1984 und die Wale, die sich vor der Küste zeigen sind eine wichtige Ertragsquelle der beschaulichen heimischen Wirtschaft. Mittels einer Leuchtrakete wird ein Zeichen vom Aussichtspunkt aus gesendet, wenn sich eines dieser kostbaren tonnenschweren Tiere am Horizont unter oder über dem Wasser zeigt. Dann ziehen sie los die Walfänger in ihren Booten. Doch die Zeit verändert sich und Mateus begreift, dass die Menschen, seine Eltern und die Großeltern auf der Insel vor einem Wandel stehen, den sie allerdings selbst noch nicht sehen oder begreifen wollen. Unmittelbar wird er selbst zu einem zentralen Akteur bei der Gestaltung einer neuen Insel, einer neuen Wirtschaft und einem veränderten Gemeinschaftsgefühl.
Die Atmosphäre und die Schönheit der Sprache erinnern stark an Sergio Bembarem.
„Töchter des Himmels“ von Amy Tan (5/5)
Ich fragte mich: Wie erkennt man die wahre Natur eines Menschen? Würde ich mich auch so verändern, wie der Fluß seine Farbe wechselt, und doch dieselbe bleiben? Dann sah ich, wie die Gardinen sich in einem Windstoß aufbauschten; der Regen rauschte jetzt heftiger, und auf dem Hof stoben alle aufgeregt schreiend auseinander. Ich lächelte. Zum ersten Mal wurde mir die Macht des Windes bewußt. Den Wind selbst konnte ich nicht sehen, aber ich sah, wie er das Wasser vor sich herpeitschte, das auch das Flußbett anfüllte und die ganze Landschaft gestaltet hatte. Der Wind brachte sogar die Männer dazu, aufzujaulen und herumzutanzen.
„Töchter des Himmels“, S. 60
Ich wischte mir die Tränen ab und blickte in den Spiegel. Was ich dort sah, überraschte mich sehr. Ich trug ein prächtiges rotes Kleid, doch mein Spiegelbild offenbarte mir noch etwas viel Wertvolleres. Ich war stark. Ich war rein. Und ich hatte echte, unabhängige Gedanken im Kopf, die keiner mir jemals nehmen konnte. Ich war der Wind.
Ich warf den Kopf zurück und lächelte mir voller Stolz zu. Dann drapierte ich mir den breiten, bestickten roten Schal über das Gesicht und verbarg meine Gedanken darunter. Doch unter dem Schal behielt ich meine Selbstgewißheit. Ich gelobte mir, mich immer an die Wünsche meiner Eltern zu erinnern, mich jedoch niemals selbst zu vergessen.“
In „Töchter des Himmels“ gelingt es der chinesischstämmigen in den USA lebenden Schriftstellerin die Lebenswege von vier Müttern zu beschreiben, die selbst chinesische Einwanderinnen sind und in San Francisco leben. Beim Mah-Jongg spielen prallen am Tisch die Traditionen und Sitten ihres Ursprungs mit den Werten und Gepflogenheiten der amerikanischen Gesellschaft aufeinander. Ihre Töchter fangen an ihre eigenen individualistisch geprägten Wege zu gehen und stoßen dabei immer wieder mit den vermeintlichen Selbstverständlichkeiten ihrer Mütter aufeinander.

„Die Ermordung des Commendatore I: Eine Idee erscheint“ (4/5) und „Die Ermordung des Commendatore II: Eine Metapher wandelt sich“ (5/5) von Haruki Murakami
„Eine Idee wandert Jahrhunderte und Jahrtausende um die Welt, da kommt es auf einen oder zwei Tage nicht an.“
„Die Ermordung des Commendatore I“, S. 424
Murakami hatte auch schon bessere Zeiten. Im ersten Band hatte ich mir an manchen Stellen tatsächlich schon überlegt, das Buch ungelesen zu beenden – auch wenn es sich um einen Murakami handelt. „1Q84“, „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ oder „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ und Weitere haben eine große Portion Magie in sich getragen. In „Die Ermordung des Commendatore“ schienen die Autos und die Brüste der Frauen das Denken des Schreibenden in einzelnen Passagen beherrscht zu haben. 4/5 und 5/5 Sterne sind dennoch sehr gute Bewertungen und der unverkennbare Schreibstil und die einzigartige Imaginationskraft des Japaners kamen dann schließlich doch noch zum Vorschein.
„Papillon“ von Henri Charrière (5/5)
Neben „Banco“ das zweite Meisterwerk des Abenteuerschriftstellers Henri Charrière. „Papillon“, der bislang in der 1973-Fassung von Franklin J. Schaffner mit Steve McQueen und Dustin Hoffman als auch in einer vermutlich unbedeutenden 2017-Fassung von Michael Noer verfilmt wurde ist als Buch noch einmal deutlich fesselnder. Im Vergleich zu den Filmen ist die Geschichte auf dem Papier weitaus umfassender und raffinierter auch wenn der Mensch, der sie zu Papier gebracht hat, an manchen Stellen eine Prise zu viel Fantasie integriert haben mag. Immer wieder steht man mit dem Autor an dem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Charrière versteht es zu leben, sich von den Blicken in den Schlund des Todes nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, zu lieben, an das Gute zu glauben und immer wieder aufzustehen und für sein eigenes Glück zu kämpfen.
„Nirgendwo in Afrika – Irgendwo in Deutschland – Zwei Romane in einem Band“ von Stefanie Zweig (6/5)
Zwei autobiographische Romane in einem Band. Die jüdische Schriftstellerin Stefanie Zweig, die Jahre lang in Frankfurt am Main lebte, hat die Fähigkeit, der Sprache Leben, Magie und etwas Meisterhaftes einzuhauchen.
In „Nirgendwo in Afrika“ landet die jugendliche Tochter Regina mit ihren Eltern Walter und Jettel zunächst in Namibia. Auf der Flucht vor den Nazis müssen die ursprünglich aus Leobschütz (heute Głubczyce in Schlesien, Polen) stammenden Redlichs 1938 in einem fremden Land eine neue Existenz gründen. Während Regina die Einheimischen und die Sprache schnell ins Herz schließt kämpfen ihre Eltern damit, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen. „Nirgendwo in Afrika“ wurde auch von Caroline Link verfilmt.
Im zweiten Buch kehrt die Familie 1947 zurück in ein Land, das von den Nachwehen eines Weltkriegs geprägt ist. In Frankfurt am Main schafft sie es irgendwie Fuß zu fassen und sich über eine längere Zeit mit beinahe leeren Mägen am Leben zu halten. Doch der Vater findet als Anwalt langsam seine Freude an der Arbeit und gesellschaftliches Ansehen. Die Tochter dahingegen flieht immer wieder in Gedanken zurück nach Afrika und geht in ihrer Fantasie auf Safari.

„Der Tunnel“ von Ernesto Sabato (5/5)
„Es ist so, dass ich immer gedacht habe, es gäbe kein kollektives Erinnerungsvermögen, was vielleicht eine Art Verteidigung des Menschengeschlechts ist. Der Satz „Früher war alles besser“ weist nicht darauf hin, dass früher weniger Schlechtes geschah, sondern dass – glücklicherweise – die Leute das Schlechte vergessen. Selbstverständlich hat ein solcher Satz keine Allgemeingültigkeit. Ich zum Beispiel zeichne mich dadurch aus, dass ich mich vorzugsweise an alles Schlechte erinnere, und so könnte ich fast sagen, dass „früher alles schlechter war“, wenn es nicht so wäre, dass mir die Gegenwart genauso entsetzlich vorkommt wie die Vergangenheit.“
„Der Tunnel“, S. 7
Das spezielle Buch von Ernesto Sabato hat mich in Teilen an Friedrich Nietzsche, Fernando Pessoa, Franz Kafka, Stanislaw Lem oder Albert Camus erinnert. In „Der Tunnel“ geht es um einen im Einzelgängertum lebenden Maler namens Juan Pablo Castel, der einer Frau begegnet und sich in sie verliebt. Irgendwie finden sie zueinander, doch quälen die Hauptperson nach jeder Begegnung mit ihr die Dämonen umso stärker. Schließlich sieht er sich dazu gezwungen sie umzubringen.
Der 1911 in Rojas, im Osten Argentiniens geborene Autor war nach seinem Studium der Mathematik und Physik als Atomphysiker tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er seine Tätigkeit zugunsten dem Schreiben auf.
Informationen zum Buch:
| Verlag | Verlag Klaus Wagenbach Berlin |
| Schlagworte | Existentialismus, Argentinische Literatur |
| Weitere Bücher am Ende | „Die Gelegenheit“ von Juan José Saer, „Ein Tango für Gardel“ von Pedro Orgambide, „Die nächtliche Erleuchtung des Staatsdieners Varamo“ von César Aira, „Man nennt mich flatterhaft und was weiß ich …“ und „Bambi am Broadway“ von Edgardo Cozarinsky, „Brennender Zaster“ und „Künstliche Ahnung“ von Ricardo Piglia, „Das Fischkind“ von Lucía Puenzo |
„Das Ende des Alphabets“ von Charles Scott Richardson (5/5)
Die Hauptperson Ambrose Zephyr erhält um ihren 50. Geburtstag die Nachricht, dass sie eine Krankheit unerklärlicher Herkunft hat und noch ungefähr einen Monat leben wird. Der Schreibstil erinnert mich etwas an Matt Haig (ist jedoch deutlich literarischer mit einem Hauch von Poesie), die Geschichte an den Film „The Bucket-List“. Ambrose ist mit Zappora Ashkenazi verheiratet, die ihren Mann so liebt, wie er ist. Sie leben im westlichen Stadtteil Londons Kensington. Ambroses Vater arbeitete bei einer Zeitung und weihte Zephyr Junior schon in jungen Jahren in die Faszination der in Setzkästen liegenden Buchstaben ein. In ihm erwuchs schließlich die Begeisterung für die Welt, ihre Länder, Tiere und Geographie.
Eine literarische Reise durch das Alphabet beginnt: Von London aus über den Ärmelkanal mit dem Schiff nach Amsterdam zu Rembrandt und den Kanälen, weiter mit dem Nachtzug nach Berlin zum Reichstag, zur Oranienburger Allee und zu Unter den Linden. Dann mit dem Hochgeschwindigkeitszug bis nach Chartres zur Kathedrale und dem Labyrinth sowie den Schokoladen-Madeleines. Weiter nach Deauville mit dem Touristenstrand und den Sonnenschirmen. Bald schon fahren sie mit dem Zug bis vor den Eiffelturm in Paris mit Notre-Dame, Pâté und „Les Misérables“. Mit dem Flugzeug geht es nach Florenz zu dem Piazza della Signoria und dem Wein. Dann Gizeh mit den Pyramiden, den Kamelen und der geheimnisvollen Bedouinenfrau. H wie Haifa fällt aufgrund der ausfallenden Flüge aus. Es folgt Istanbul mit dem Bosporus, dem Hamam und den Boncuk. K ist nicht wirklich eindeutig, J wird zur „Old Jewry“, der Schneiderei von Mr. Umtata, statt Jaipur. L fällt weg, MNOPQRSTU sind der Hyde Park, die Träumereien von Mumbay, New York, Osaka, Queensland in Pago Pago, Paddington, Rio (Ipanema?), Schanghai und Timbuktu. In Venedig flanieren sie über den Piazza San Marco und die Seufzerbrücke. Z wird nicht Zanzibar City sondern zu Zipper, seiner Ehefrau.
Das Buch ist außergewöhnlich, menschlich, teils für mich konfus und dennoch sehr ehrlich.
„Mond des verharschten Schnees“ von Waubgeshig Rice (5/5)
„“Onaabenii Giizis“, rief er stolz. „Mond des verharschten Schnees.“ Flach fielen seine Worte auf den weißen Boden vor ihm, und er fragte sich, in welchem Monat sie eigentlich gerade waren.
Onaabenii Giizis bezog sich gewöhnlich auf den Februar, konnte aber auch für den frühen März zutreffen.“
„Mond des verharschten Schnees“, S. 156
Die indigenen Anishinaabe leben im Norden Kanadas, wo es eisige Winter und Elche gibt. Manche von ihnen haben die Traditionen ihrer Ahnen bewahrt, sie fällen Holz und gehen auf die Jagd.
Die Anishinaabe sind ein Volk, das lernen musste mit den Traumata ihrer Vergangenheit umzugehen. Einst wurden ihnen von Staat und Kirche ihre Wurzeln, ihre ursprüngliche Sprache Ojibwe und ihre Heimat ausgetrieben. Sie leben nahe Gibson und treffen auf einen Winter, der alles verändern und ihr Überleben auf die Probe stellen wird. Starke Schneefälle suchen die abgelegen lebende Gemeinschaft heim, nach und nach fallen die Satellitenverbindung und damit das Internet und das Fernsehen, das Telefon und der Strom aus. Die Notstromaggregate werden angeworfen und die Bewohnenden dazu angehalten, den Verbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Die Anishinaabe werden auf eine harte Probe gestellt. Nur noch wenige wissen welche Notwendigkeit es im Ernstfall haben kann, für eine längere Zeit vorzusorgen und Elche zu jagen. Der einzige Supermarkt des Ortes wird schnell in Panik von Einzelnen leergekauft. Ein apokalyptisches Szenario beginnt inmitten Unmengen von Schnee, einem Blizzard, den Pick-Ups und Schneemobilen der Männer. Getragen wird die Geschichte von Evan einem Familienvater, der sein Bestes tut um einen kühlen Kopf zu bewahren und der weiß, welche Verantwortung damit einhergeht, gesund zu sein und für das Wohlergehen seiner Familie und der Gemeinschaft zu sorgen. Er und seine Frau benannten ihre Kinder nach Anishinaabemorin-Namen: Maiingan „Wolf“ und Nangohns „Kleiner Stern“.
Kontinuierlich verändert sich ihr Alltag. Doch der Ausnahmezustand birgt auch seine positiven Seiten: Statt Computerspielen, Fernsehsendungen und dem Smartphone werden am Küchentisch wieder Geschichten erzählt und Spiele gespielt. Im Verlauf der Geschichte sterben zahlreiche Menschen, eine Gemeinschaft steht vor der Wahl auf die modernen Privilegien zu verzichten und immer größere Einschnitte in Kauf zu nehmen oder sich kurzweilig zu unterhalten und dem Tod ausgeliefert zu sein. Sie müssen wieder lernen ihr traditionelles Erbe mit alten Bräuchen und Zeremonien zu aktivieren.
Informationen zum Buch:
| Erscheinungsjahr (original und deutsche Übersetzung) | 2018, 2021 |
| Verlag | Verlag Klaus Wagenbach Berlin |
| Seitenzahl und Anzahl der Worte | 220, circa 67.500 |
| Schlagworte | Kanadische Literatur, Dystopie, Abenteuer, Indigene |
| Ort und Jahr des Geschehens | Nördlich von Gibson in Kanada (fiktiver Ort), orientiert sich an einem Ort nahe der Wasauksing First Nation, Neuzeit |
| Weitere Bücher am Ende | „Alphabet“ und „All unsere Jahre“ von Kathy Page, „Häsin in der Grube“ von Mireille Gagné, „Und wieder Februar“ von Lisa Moore, „Ich bin ein Laster“ von Michelle Winters, „Von Hand zu Hand“ und „Schwarzes Kleid mit Perlen“ von Helen Weinzweig, „Kreise ziehen“ von Arif Anwar, „Aracoeli“ von Elsa Morante, „Feuer ans Stroh“ von Luigi Pirandello, „Ich nannte ihn Krawatte“ von Milena Michiko Flašar, „Über Meereshöhe“ von Francesca Melandri |
„Das bin doch ich“ von Thomas Glavinic (3,5/5)
„Es ist ja nicht mehr als die Rückkehr zur Normalität, die ich geschafft habe, und keine Heldentat.“
„Das bin doch ich“, S. 204
Nach „Das größere Wunder“ – einem genialen Buch, in dem ich mich in dem Abenteuer und der Unberechenbarkeit des Schicksals sehr stark wiedergefunden habe – und „Unterwegs im Namen des Herrn“ – einem nicht sonderlich empfehlenswerten Werk – stieß ich nun wieder auf den österreichischen Schriftsteller Glavinic in der Form von „Das bin doch ich“.
Im Endeffekt finden sich darin die Gedanken eines im Schatten des Erfolgs (Daniel Kehlmann) stehenden Schrifstellers und Vaters, der einen Großteil seiner Lebenszeit betrunken und/oder chronisch unzufrieden mit sich selbst, mit seinem Leben und seinen Mitmenschen ist. Ab und an gibt es dann doch recht originelle oder amüsante Passagen, da er kein Blatt vor den Mund nimmt und Gedanken laut ausspricht oder vielmehr niederschreibt und gegen Geld von Menschen lesen lässt, die andere niemals hätten oder aus ihrem Innersten hinauslassen würden.
Andere Schreibende aus dem Buch: Max Goldt, Marlen Haushofer, Herbert Rosendorfer, Peter Handke, Robert Walser, Denis Johnson mit „Train Dreams“, Knut Hamsun (habe ich sogar aus einem Bücherschrank in Saarbrücken im Bücherregal stehen).
Neue alte Worte: Kolporteur.
„Leben mit Picasso“ von Françoise Gilot (5/5)
„Ich sagte zu ihm, wenn er in seinem ganzen Leben kein einziges Bild gemalt hätte, wäre er wahrscheinlich als Philosoph bekannt geworden. Er lachte. „Als ich noch ein Kind war, sagte meine Mutter zu mir: ‚Wenn du Soldat wirst, wirst du General werden. Wenn du ein Mönch wirst, wirst du schließlich Papst werden.‘ Statt dessen habe ich es als Maler versucht und bin Picasso geworden.““
„Leben mit Picasso“, S. 45
Picasso war ein ausgesprochen einzigartiger Mensch mit ziemlichen Schattenseiten und einer inneren Zerissenheit. Gilot, die dem deutlich älteren Maler als junge Erwachsene in Paris begegnete, lernte den Menschen hinter seinen Werken so gut kennen wie nur wenige. Sie zeichnet das Bild eines Genies, dem es weder an Kreativität noch an Geschäftssinn mangelt, und der zugleich beizeiten keine Achtung mehr vor seiner Ehefrau oder anderen Menschen hat. Doch im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen lässt sich Gilot nicht von dem großen Meister unterkriegen sondern zeigt ihm stattdessen die Stirn und schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen.
Über Jahre im Zusammenleben schildert sie den Alltag, die Lebensorte in Paris und an der Côte d’Azur.
„Ventoux“ von Bert Wagendorp (5/5)
Nach „Ferrara“ mein zweites Buch des niederländischen Schriftstellers. Ich mag seine Liebe zum Fahrrad, die Beschreibung von Städten und das Aufgreifen der Geschichte in „Ferrara“ und seine teils verschrobenen Charaktäre.
Bei „Ventoux“, dem Buch vor „Ferrara“, handelt es sich um fünf Freunde, eine Freundin und einen zu bezwingenden Berg: Den Ventoux. Es sind sechs Menschen, die am Ende der Schule gemeinsam nach Frankreich fahren. Drei Jungs mit dem Rennrad fahren auf den Ventoux, der schon den englischen Radrennfahrer Tom Simpson während einer Tour de France Etappe im Jahre 1967 kurz vor dem Gipfel das Leben gekostet hat. Oben angekommen zelebrieren die Freunde ihre verstorbene Ikone. Peter, der künstlerische Freigeist und Poet der Gruppe trägt den Anderen ein zauberhaftes Gedicht vor, dass ihm beim Erklimmen auf dem Sattel in den Sinn gekommen ist. Dann irgendwann kommt die Abfahrt. Bartje und Peter rasen den Berg hinab während die anderen im „Begleitfahrzeug“ den komfortableren Weg wählen. Peter allerdings hat wenig beziehungsweise gar keine Rennraderfahrung. So kommt es wie es kommen muss. Ein Sturz reißt Peter zur Seite und in den Tod.
Dieses Ereignis führt dazu, dass Laura, die Frau der Gruppe und heimliche Geliebte des Verstorbenen aus dem Blickfeld der Männer verschwindet. Erst 30 Jahre später kommt ein Lebenszeichen von ihr. Sie ist es, die erkennt, dass die Gruppe noch einmal auf den Ventoux muss, um gemeinsam den Verlust von Peter zu heilen und die alten Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.
Die Bücher/Schreibenden aus dem Buch:
- „Das Rennen“, Tim Krabbé
- Turgenjew
- Spinoza
- Peter Sloterdijk
- „Die Sprache der Liebe“, Gerard Reve
- Emily Dickinson
- Dylan Thomas
- Ted Hughes
- Seamus Heaney
- „Die Farbe Lila“, Alice Malsenior Walker
- „Canzoniere“, Petrarcas
- „Der kahle Berg – Auf und über den Mont Ventoux“, Lex Reurings und Willem Janssen Steenberg
„Quer durch Athen – von Piräus nach Kifissia“ von Petros Markaris (5/5)
„Das ist das Los der Athener Traumviertel: Der Traum wird nicht Wirklichkeit, sondern Wahn.“
„Quer durch Athen“, S. 158
Die Schilderung des in Griechenland lebenden und in Istanbul geborenen Schriftstellers über die Stadtviertel Athens entführt den Lesenden in eine Welt der Nachbarschaften, der Geheimnisse der nationalen, regionalen und lokalen Vergangenheiten sowie der Menschen und ihrer Plätze und Gastronomie. Entlang dem Verlauf der altehrwürdigen „Elektrischen“ auf der Linie 1 von Piräus bis nach Athen wird die Umgebung, die Besonderheit und die Geschichte einer jeden Haltestelle literarisch festgehalten.
„Samtpfoten aus Glas“ von Werner J. Egli (5/5)
Es war nach „Wenn ich Flügel hätte“ mein zweites Buch des in der Schweiz geborenen und teils in den USA lebenden Schriftstellers Werner J. Egli. Der Hauptcharakter befindet sich wieder auf der klassischen Verliererseite des Lebens, am Rande der Gesellschaft. Er ist ein junger Mensch, der vom System ausgestoßen wurde und in seiner gegenwärtigen Lebenssituation benachteiligt ist (oder sich benachteiligt fühlt). Doch Silkpaw lässt sich nicht unterkriegen, er ist stark und er weiß, wie er sich mit Kreativität, gesunder Menschenkenntnis und der erforderlichen Portion Mut durchsetzen kann.
Im Laufe der Zeit finden Silkpaw, Little June und DeNevi aka „Der sich nicht kleinkriegen lässt“ näher zusammen und lernen die Eigenarten des Gegenübers teils schmerzlich kennen doch auch zu schätzen. DeNevi ist wie auch im anderen Werk von Egli ein Cop, der sich offiziell nicht mehr im Dienst befindet und inkognito seinen bei einem Schusswechsel zu Tode gekommenen ehemaligen Kollegen aufklären möchte.
„Taxi Curaçao“ von Stefan Brijs (5/5)
Das Buch zeichnet den Lebensweg der Hauptperson Max und in Verbindung damit die Geschichte der Insel Curaçao und ihrer Einwohner, den Antillianern. Max‘ Vater Roy ist Taxifahrer und ein typischer Macho. Max‘ Mutter Myrna kleidet sich wie eine Prostituierte und arbeitet als Putzfrau. Durch seinen Lehrer Bruder Daniel ermutigt und gefördert beschließt der aufmerksame und wissbegierige Max, entgegen dem Willen seines Vaters, ein Studium zu beginnen. Schnell jedoch offenbart sich, dass Max in seiner Entscheidungsfindung nicht frei ist und die Impulsivität, die Macht und die Stärke seines Vaters unweigerlich Auswirkungen auf den Sohn haben. Schließlich wird Max Taxifahrer, entsagt sich der vermeintlichen Befreiung durch das Wissen und die Intellektualität, stumpft mehr und mehr ab und freundet sich mit der bescheidenen Situation auf der von den Niederlanden abhängigen Inseln an. Im Laufe der Geschichte lernt er seine Frau Lucia kennen, seine Mutter stirbt und sein Vater wird entgegen seinem eigenen Willen in ein Pflegeheim eingewiesen. Der „trinta di mei“, der 30. Mai 1969 ist einer der schwärzesten Tage der Insel. Gewalttätige Aufstände und soziale Unruhen offenbaren die seit Langem vorhandenen Benachteiligungen und Abhängigkeiten dieser Zweiklassen-Gesellschaft, in der die dunkelhäutigen Einheimischen von den weißen Niederländern ausgebeutet werden. In Folge verschlechtern sich die Arbeissituationen und die Insel verändert sich zum Negativen: Perspektivlosigkeit und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, Drogen, Kriminalität: eine teuflische Abwärtsspirale beginnt.
Die Bücher aus dem Buch:
- „Wolkige Existenz“, Cola Debrot
Weitere
- „Latin Lover – Von Männern und Frauen“ von Donna Leon (3/5)
- „Rinxols d’Or“ von Mercè Canals erschienen im Combel-Verlag (5/5)
- „Peter Pan de Kensington“ von José-Luis Munuera (5/5)
- „Wenn ich Flügel hätte“ von Werner J. Egli (5/5)
- „Im Land der Männer“ von Hisham Matar (5/5)
- „Spaziergänger im All“ von Alexei Leonow (5/5)
- „Wir brauchen neue Namen“ von NoViolet Bulawayo (5/5)
- „La Vallée des Moulins“ von Noelia Blanco und Valeria Docampo, erschienen in Alice Éditions, o.J., illustriert (5/5)
- „Der Zweisprachige Liebhaber“ von Juan Marsé (5/5)
- „Ferrara“ von Bert Wagendorp (5/5)
- „Der Schamane“ von Noah Gordon (5/5)
- „Der Medicus“ von Noah Gordon (5/5)

Reingelesen
- „Die gute Erde; Das geteilte Haus; Söhne“ Drei Romane in einem Band von Pearl S. Buck
- „Der Traum vom Paradies“ von Stefanie Zweig (2/5)
- „Menschensohn“ von Augusto Roa Bastos (5/5)
- „100 Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marquez (5/5)
- „Das Fortschreiten der Nacht“ von Jakuta Alikavazovic (5/5)
- „Das smaragdene Licht in der Luft“ von Donald Antrim (4,5/5)
- „Manchmal braucht es nichts und doch so viel“ von Sarah Scherber (Herausgeberin), Anthologie im Gedankenkunst Verlag erschienen am 30. Januar 2025 (5/5)
- „Den Wetteraukreis entdecken“ von Ingrid Zöllner (5/5)
- „Marseille 1940“ von Uwe Wittstock (5/5)
- „Tod am Nachmittag“ von Ernest Hemingway (5/5)
- „Mein Name ist Luz“ von Elsa Osorio (5/5)
- „Frieden ist möglich“ von Franz Alt (5/5)
- „Blinde Weide, schlafende Frau“ von Haruki Murakami (4/5)
- „Das Uhrenstellinstitut“ von Ahmet Hamdi Tanpinar (5/5)
- Moskau-Reiseführer
- Arizona/Grand-Canyon-Reiseführer
- „Bird Cottage“ von Eva Meijer (5/5)
- „Auf dem Jakobsweg“ von Paulo Coelho (5/5)
- „The Longest Walk“ von George Meegan (6/5)
- „Das Buch der Nächte“ von Sylvie Germain (5/5)

In Warteposition – Noch nicht gelesen
- „Ich schenk dir ein A“ von Thomas J. Hauck und Carmen Tung
- „Zwischen Nera und Karasch“ von Dragan Aleksić
- „Das Meer und Sardinien“ von D.H. Lawrence (inspiriert durch meine Reise nach Taos)
- „Saint-Exupéry“ von Maja Destrem (gefunden in einem Buchregal in Chartres)
- „Der Mensch im Kosmos“ von Pierre Teilhard de Chardin (gefunden in der Bücherkiste auf der Arbeit)
- „Geist als Leidenschaft“ von Susan Sontag
- „Tarka der Otter“ von Henry Williamson (kauf inspiriert durch meinen Sitznachbarn im Eurostar von London nach Brüssel)
- „Everybody’s normal till you get to know them“ von John Ortberg (inspiriert durch eine Empfehlung eines Radreisepaares auf dem Weg nach London)
- „Das Tor & Haiku“ von Natsume Sôseki
- „Die Ursache bin ich“ von Thomas Bernhard
- „Kassiber“ von Albertine Sarrazin
- „Herr Palomar“ von Italo Calvino, erschienen im Spektrum-Verlag bzw. „Volk und Welt“, 1. Auflage, Berlin 1987, 140 Seiten (gefunden in einem Buchregal in Saarbrücken)
- „Der Sternendrache“ von Barbara Hambly, erschienen in der Verlagsgruppe Weltbild, 2009, 398 Seiten (ebd.)
- „Hunger; Kinder ihrer Zeit; Segen der Erde“ in „Romane“ von Knut Hamsun, Verlag nicht eindeutig, Lizenzausgabe, o.J., 759 Seiten
- „Das Lächeln der Vergangenheit“ von Birgit Weidt
- „Der innere Feind“ von Craig Hamilton
- „89 Autoren erzählen – Die schönsten Kurzgeschichten aus aller Welt“

Auf der Liste
- „Pfad der Medizinfrau“ von Priscilla Cogan
- „Die großen Sünden“ von Imam Adh-Dhahabi
- Weitere Autorinnen und Autoren:
- Thomas Mann
- Max Frisch
- Fidel Maiz
- Theodor W. Adorno
- Federico García Lorca
- Florbela Espanca
- Luis de Camões
- John Steinbeck
- Elena Fortun
- Natsume Soseki
- José Marti
- Troels Klovedal
- Salah Abdel
- Sabour
- Veda Akinari
- James A. Michener
- Boualem Sansal
- Malek Bennabi
- Albert Camus
- Bruce Lee
- Leonora Carrington
- Neale Donald Walsh
- Reiseführer: Rom, Brasilien, Algerien, Andorra
- „Krieg und Frieden“ von Tolstoi
- „Superintelligenz“ von Nick Bostrom
- „Im Tagebuch eines Landpfarrers“ von George Bernanos“Im Tagebuch eines Landpfarrers“ von George Bernanos
- „Erfahrungen vom Innern der Gebirge“ von Friedrich Wilhelm Heinrich von Tebra
- „Die Mustersammlung“ von Heinz Petersen
- „Unter dem Regenmond“ und „Erzählungen beim Frühlingsregen“ von Akinari Ueda
- „Der Untergang des Hauses Abe“ von Ogai Mori
- „Träumertänzer“ von Oliver Masucci
- „National Cycle Network“
Nächste Buchbestellungen
-
- „The 16th Round“ von Rubin „Hurricane“ Carter
-
- „Mein Leben“ von Marc Chagall
-
- „Tamata – Erinnerungen eines Seglers“ von Bernard Moitessier
-
- „Mein Name ist Emilia del Valle“ von Isabel Allende
-
- „Über das Schreiben“ von Stephen King
-
- „Die Karte meiner Träume“ von Reif Larsen
-
- „Das Grab der Leuchtturmkäfer“ von Akiyuki Nosaka
-
- „Trisolaris-Trilogie“ von Liu Cixin
-
- „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood
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